
Jörg Widmann | Solist*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
- Datum
- So, 22. Nov. 2026 | 16:30
- Veranstalter
- Lucerne Festival


Schumann «war eigentlich fast immer im Zentrum für mich», bekennt Heinz Holliger. Und das gilt ebenso für Friedrich Hölderlin, einen weiteren krisenhaften, von der Gesellschaft als «geisteskrank» eingestuften Künstler. Für Holliger indes sind beide «überhaupt nicht verrückt. Eher visionär. Sie haben einfach viel mehr Antennen.» In seinen Gesängen der Frühe greift er Schumanns gleichnamigen späten Klavierzyklus auf und verknüpft ihn mit Hölderlin-Gedichten, Tagebucheinträgen, Briefen sowie den Obduktionsberichten der beiden Künstler zu einem beklemmenden Psychogramm. Der 2024 verstorbene Aribert Reimann wiederum erbte als entfernter Verwandter des damaligen behandelnden Arztes Schumanns Krankenakten aus der Nervenheilanstalt Bonn-Endenich — und setzte sich in einem Orchesterstück mit der letzten Lebensphase des Komponisten auseinander. Hinzu kommen drei Solostücke von György Kurtág, die Holliger für grosses Orchester transkribiert hat — ein Gruss zu Kurtágs 100. Geburtstag. Ausserdem ein Original-Schumann: Das Nachtlied, das Holliger in seinen Gesängen der Frühe aufgreift, beschwört die bedrohliche Seite der Nacht, bevor der Schlaf seinen «schützenden Kreis» zieht.

Der weltberühmte Konzertsaal besticht durch seine einzigartige Akustik. Vom New Yorker Russell Johnson konzipiert, ist unter anderem das optimale Raumverhältnis 1:1:2 für den perfekten Klang verantwortlich. Auch die rund 24’000 quadratischen Gips-Reliefs mit einer Kantenlänge von 20cm sind ein akustisches Element. Im architektonisch atemberaubenden Saal werden Konzertveranstaltungen zu ganz besonderen Erlebnissen.

