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«Trump ist ein hervorragender politischer Schauspieler»

Am Donnerstag war Prof. Dr. Elisabeth Bronfen bei der Gesprächsreihe KKL Impuls zu Gast. Im Auditorium des KKL Luzern erörterte die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin die Hintergründe der Geschichte und der Populärkultur der Vereinigten Staaten, mit denen die Wahl Donald Trumps erklärt werden könne.

«Trump ist ein hervorragender politischer Schauspieler»

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Prof. Dr. Elisabeth Bronfen sprach bei KKL Impuls über die Wahl Donald Trumps

«Trump ist ein hervorragender politischer Schauspieler»

«Würde Shakespeare heute noch leben, würde er für das Fernsehen schreiben», sagt Prof. Dr. Elisabeth Bronfen, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin sowie Lehrstuhlinhaberin am Englischen Seminar der Universität Zürich, und erklärt damit den Wandel, der sich in der heutigen Gesellschaft vollzogen hat. Reality TV und Soziale Medien seien omnipräsent und auch wichtige, politische Fragen würden über diese neuen Medien ausgetragen. Hinzu komme, dass die Populärkultur in den USA seit jeher viel mehr im Zentrum gestanden habe als in Europa. Dem negativen Image, welches der Populärkultur anhafte, entgegnet Bronfen damit, dass in einer Demokratie Kultur und Wissen für alle Schichten gleichermassen zugänglich sein soll. «Und das ist in der Populärkultur durchaus der Fall», sagt sie.  

Geschichte und Verfassung boten Fundament für politischen Diskurs
Aber auch der Hintergrund der Geschichte der USA kam Donald Trump bei seiner Wahl zugute: So stellt der «Confidence Man» – zu Deutsch: Hochstapler – seit jeher eine archetypische Heldenfigur in der amerikanischen Geschichte dar. Und Trump sei der Inbegriff eines Hochstaplers: Jemand, der andere mit viel Selbstsicherheit dazu bringe, ihm zu vertrauen, selbst wenn sie wüssten, dass sie betrogen würden.

Auch die in der amerikanischen Verfassung verankerten Grundsätze der Freiheit, des Wohlstands und des Strebens nach Glück nutzte Trump geschickt für sich. So setzte er in seinem politischen Diskurs unter anderem den Narrativ «Change» ein – die Krise als Chance für einen Neuanfang – und sprach damit ganz bewusst einem Grossteil der Amerikaner aus der Seele. Auch sein Wahlkampf-Slogan «Make America great again» traf den Nerv der Zeit. «Trump ist ein hervorragender politischer Schauspieler», sagt Bronfen. «Mit seinen düsteren und apokalyptischen Narrativen bewies er einen hervorragenden Instinkt für öffentliches Timing.»

Die Widersprüche des Donald Trump
Doch «Confidence Man»-Trump weist viele Widersprüche auf: so spreche er sich gegen die Globalisierung aus, obwohl er dieser einen Grossteil seines Vermögens zu verdanken habe. Seine Trump Towers stehen überall auf der Welt, unter anderem in Indien, Saudi-Arabien oder Istanbul. Und die Produkte der Kleidermarke seiner Tochter Ivanka würden ebenfalls nicht in den USA, sondern in China, Indonesien und Vietnam produziert.

Selbst wenn Trump seinem Wahlversprechen, die Produktionen aus dem Ausland wieder in die USA zu verlagern, nachkomme, so würde ihm beispielsweise spätestens der technologische Fortschritt zum Verhängnis werden, der das Personal in den Autofabriken durch Roboter ersetze. Und auch sein Traum, die stillliegenden Kohlewerke wieder in Betrieb zu nehmen, sei zum Scheitern verurteilt: «Kohle wird je länger je mehr durch Erdöl ersetzt», sagt Bronfen. So würden seine aussichtslosen Träume wie Seifenblasen zerplatzen. «Und spätestens dann werden die Republikaner erwachen», schlussfolgert sie.

Nächstes Gespräch mit Medienwissenschaftler Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl
Am Donnerstag, 16. März 2017, spricht der Medienwissenschaftler und Professor der Universität Lugano, Dr. Stephan Russ-Mohl, über die digitale Revolution, die in den Medien einen radikalen Strukturwandel ausgelöst hat. Die Veranstaltung mit dem Titel «Die Echoblasen der Sozialen Medien. Demokratien im Stresstest?» findet im Auditorium des KKL Luzern statt.

Die Medienmitteilung als PDF herunterladen. 

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