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«Die Glaubwürdigkeit zerfällt trotz der Professionalisierung.»

Am Donnerstag war Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl bei der Gesprächsreihe KKL Impuls zu Gast. Im Auditorium des KKL Luzern erörterte der Medienwissenschaftler, wo er die Chancen für den zukünftigen Journalismus sieht.

«Die Glaubwürdigkeit zerfällt trotz der Professionalisierung.»

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Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl
Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl beim Gespräch mit Marco Meier - KKL Impuls.


«Die Glaubwürdigkeit zerfällt trotz der Professionalisierung.»


Am Donnerstag war Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl bei der Gesprächsreihe KKL Impuls zu Gast. Im Auditorium des KKL Luzern erörterte der Medienwissenschaftler, wo er die Chancen für den zukünftigen Journalismus sieht.

Dass sich der Journalismus zurzeit stark transformiert, ist hinlänglich bekannt. Die Gründe dafür wurden am Gespräch mit dem 67-jährigen Professor jedoch besser greifbar.

Veränderungen nicht absehbar
«In unserer Branche gab und gibt es Veränderungen, die in diesem Ausmass kaum hervorsehbar waren», resümiert Russ-Mohl schon zu Beginn des Gesprächs. Die etablierten Medienhäuser hätten noch bis vor wenigen Jahren dank der Werbeeinnahmen grosse Redaktionen unterhalten können. «Dies hat dazu geführt, dass man erste Forschungstrends kaum beachtet hatte, welche eine Abnahme der Glaubwürdigkeit der Medien prophezeit hatten.» Zudem seien auch kritische Journalisten, welche der eigenen Berufsgattung eine düstere Zukunft prophezeit hätten, zu wenig ernst genommen worden, sagte Russ-Mohl.

Der «Jahrhundert-Fehler»
Verstärkt wurde der Umbruch durch den «Jahrhundertfehler, die journalistischen Inhalte im Internet kostenfrei anzubieten», erklärte Russ-Mohl. Dieser Fehler sei aber auch erst im Rückblick so klar zu sehen. «Denn damals gingen die Verlage davon aus, dass die Inserate-Einnahmen ohne Verluste vom Print- in das Online-Geschäft transferiert werden können.» Weil dies nicht geglückt sei, hätten sich die ökonomischen Rahmenbedingungen für Verlage und Redaktionen nun komplett verändert.

Staatliche Unterstützung nur bedingt der richtige Weg
«Die Forschung zeigt aber, dass die Medien an Glaubwürdigkeit eingebüsst haben, obwohl sich die Branche in den letzten Jahrzehnten stark professionalisiert und akademisiert hat», fasst Russ-Mohl zusammen. Neue auftretende Phänomene wie die «Fake-News» und die automatisierten Algorithmen verstärkten diese Entwicklung zusätzlich. Dass die Medien nun aber durch die Politik geschützt werden sollen, um «als Korrektiv ausgewogen berichten zu können», sieht Russ-Mohl nur bedingt als richtigen Weg an. Er plädiert für eine schlankere SRG-SSR, welche ihren Grundauftrag als öffentlich rechtlicher Rundfunk aktiv wahrnehmen soll, jedoch Sparten wie Unterhaltung oder Sport vermehrt an die privaten Medienanbieter abtreten solle.

Nächstes Gespräch mit Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello
Am Donnerstag, 18. Mai 2017, spricht die Entwicklungspsychologin und emeritierte Professorin der Universität Bern, Dr. Pasqualina Perrig-Chiello, über «Generationen im Clinch». Die Veranstaltung mit dem Titel «Generationen 4.0. Jedes Alter hat sein Alter» findet im Auditorium des KKL Luzern statt.

Die Medienmitteilung als PDF herunterladen. 

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