Akustik

OBEN

Akustiker: Musikalische Visionen

Verantwortlich für die Akustik war der New Yorker Russell Johnson (1924-2007). Über mehr als drei Jahrzehnte lang hatte er mit seiner artec-Gruppe (artec = Art und Technology) auf der ganzen Welt Projekte realisiert und galt als einer der führenden Akustiker überhaupt. Trotz allen Ruhmes war das KKL Luzern ein Meilenstein für ihn: 'Der Saal in Luzern ist ein Nachkömmling von 40 bis 50 Vorgängern, die ich seit 1956 gebaut habe. Hier sind fast alle Errungenschaften meiner Arbeit zusammengefasst'. Ziel war eine Akustik zu schaffen, die das gesamte musikalische Repertoire vom Mittelalter bis zur Moderne optimal zum Klingen bringt.

Eigenschaften: Optimale Ausmasse

Die optimale Akustik wird durch das Verhältnis von Raumhöhe, Breite und Länge von 1:1:2 erreicht. Dabei handelt es sich um das altbewährte Prinzip der 'shoebox' (Schuhschachtel). Im Falle des Konzertsaales sind dies 22m:22m:46m. Das grosse Saalvolumen von 19'000m3 gibt dem Klang genug Raum und erzeugt einen runden, weichen Nachhall. Ein weiteres akustisches Element sind die rund 24'000 quadratischen Gips-Reliefs mit einer Kantenlänge von 20 cm. Die strukturierten Gipsoberflächen brechen die Schallreflexion auf, multiplizieren sie und verteilen sie in alle Richtungen.

Echokammern: Zusätzliches Volumen

Die Echokammer ist ein grosser, zusammenhängender Hohlraum, der den Konzertsaal in den oberen Rängen umschliesst. Dieser wird mittels 50 elektronisch steuerbaren Betontüren geöffnet. Damit lässt sich das Raumvolumen des Saales von 19’000 m3 um 6000 m3 vergrössern. Durch den Öffnungsgrad der Türen kann der Klang variiert, die Nachhallzeit eingestellt und bis auf 3 Sekunden verlängert werden. Eine weitere Regulierung der Nachhallzeit wird durch Vorhänge möglich. Sind die Reflexionszonen gleichmässig abgedeckt, verkürzt sich die Nachhallzeit und die Akustik wird trocken. Diese Eigenschaft ist bei Sprachveranstaltungen, Jazz- und Popkonzerten erwünscht.

Canopy: Höhenverstellbarer Schallreflektor

Das akustische Canopy befindet sich über der Bühne. Dabei handelt es sich um einen zweigeteilten Schallreflektor, welcher in der Höhe verstellbar ist. Durch ihn hören sich Musiker ohne Klangverzögerung und der Schall wird rascher in den Saal gelenkt. Diese Einstellungen ermöglichen eine Anpassung der Akustik an das jeweilige Werk. Es kann das Klangbild, der ursprünglichen Konzeption des Komponisten entsprechend, reproduziert werden. Bei Kammermusik-Konzerten oder einem nicht voll besetzten Saal wird das Canopy tiefer eingestellt, um einen intimeren Raum zu schaffen. Bei extrem grossen Formationen und für die Orgel kann es direkt unter die Saaldecke hochgefahren werden.

Raumschall: Gleichmässiger Räumlichkeitseindruck

Im Konzertsaal wirkt der grösste Teil der Schallenergie auf die Wände. Somit wird diese seitlich als Raumschall auf den Hörer zurückgeworfen. Dieser Effekt wird durch die vier seitlich angeordneten Galerien optimal genutzt. Der Raumschall hat in einem reflektorischen Raum wie dem Konzertsaal überall die gleiche Intensität. Diese Gleichmässigkeit verursacht einen Räumlichkeitseindruck, welcher einer der wichtigsten subjektiven Aspekte der akustischen Qualität ist.

Stille: Keine Störgeräusche

Der Geräuschpegel im Konzertsaal liegt bei 18 Dezibel. Diese Lautstärke ist im normalen Frequenzbereich für das menschliche Ohr nicht hörbar. Sowohl die Lüftung als auch die Lichtinstallationen des Saales sind während der Konzerte praktisch unhörbar. Zudem sind die Zugänge zum Saal, mit schalldichten, schweren Türen abgedichtet. Der Konzertsaal kann im inneren als absolut still bezeichnet werden. Diese Eigenschaft ermöglicht eine Wahrnehmung der Musik in ihrer gesamten Dynamik - vom tiefsten Pianissimo bis zum ohrenbetäubenden Fortissimo.