KKL Luzern
 

Architektur + Akustik

KKL links

STRESS
  4. Februar 2012

Luzerner Sinfonieorchester LSO
  29. Februar und 1. März 2012


Russel Johnson
 
 
Russell Johnson

Russell Johnson (1924-2007) schuf in Luzern die Akustik des Konzertsaals, die inzwischen Weltruf geniesst.

Bauliche Eigenschaften

Die optimale Akustik wird durch das Verhältnis von Raumhöhe, Breite und Länge von 1:1:2 erreicht. Dabei handelt es sich um das altbewährte Prinzip der "shoebox" (Schuhschachtel). Im Falle des Konzertsaales sind dies 22m (ab Bühnenniveau):22m:46m. Das grosse Saalvolumen von 19'000m3 gibt dem Klang genug Raum und erzeugt einen runden, weichen Nachhall.
Ein weiteres akustisches Element sind die rund 24'000 quadratischen Gips-Reliefs mit einer Kantenlänge von 20 cm. Die strukturierten Gipsoberflächen brechen die Schallreflexion auf, multiplizieren sie und verteilen sie in alle Richtungen.

Echokammer und Canopy

Die Echokammer ist zusätzliches, um den vorderen Teil des Saales angeordnetes Raumvolumen Die Tore zu der Kammer sind 50 massive, drehbare Betontüren, welche 3,5 und 8 Tonnen schwer sind. Sind diese Türen geöffnet, wird die Echokammer mit dem eigentlichen Saal gekoppelt. Somit vergrössert sich das Saalvolumen um 6'000m3 auf 25'000m3. Durch diese Türen können die Akustik verändert und Nachhallzeit eingestellt und bis auf 3 Sekunden verlängert werden. Eine weitere Regulierung der Nachhallzeit wird durch Vorhänge möglich. Sind die Reflexionszonen gleichmässig abgedeckt, verkürzt sich die Nachhallzeit und die Akustik wird trocken. Diese Eigenschaft ist bei Sprachveranstaltungen, Jazz- und Popkonzerten erwünscht.
Das akustische Canopy befindet sich über der Bühne. Dabei handelt es sich um einen zweigeteilten Schallreflektor, welcher in der Höhe verstellbar ist. Durch ihn hören sich Musiker ohne Klangverzögerung und der Schall wird rascher in den Saal gelenkt.
Diese Einstellungen ermöglichen eine Anpassung der Akustik an das jeweilige Werk. Es kann das Klangbild, der ursprünglichen Konzeption des Komponisten entsprechend, reproduziert werden.

Gründe für Qualität

Im Konzertsaal wirkt der grösste Teil der Schallenergie auf die Wände. Somit wird er seitlich - wo wir am besten hören - als Raumschall auf den Hörer zurückgeworfen. Dieser Effekt wird durch die vier seitlich angeordneten Galerien optimal genutzt. Der Raumschall hat in einem reflektorischen Raum wie dem Konzertsaal überall die gleiche Intensität. Diese gleichmässige Intensität verursacht einen Räumlichkeitseindruck, welcher einer der wichtigsten subjektiven Aspekte der akustischen Qualität ist.

Russell Johnson

Verantwortlich für die Akustik war der New Yorker Russell Johnson. Seit mehr als drei Jahrzehnten hat er mit seiner artec-Gruppe (artec = Art und Technology), auf der ganzen Welt Projekte realisiert und gilt als einer der führenden Akustiker überhaupt. Trotz allen Ruhmes war das KKL Luzern ein Meilenstein für ihn: "Der Saal in Luzern ist ein Nachkömmling von 40 bis 50 Vorgängern, die ich seit 1956 gebaut habe. Hier sind fast alle Errungenschaften meiner Arbeit zusammengefasst".

Absolute Stille

Der Geräuschepegel im Konzertsaal liegt bei 18 Dezibel. Diese Lautstärke ist im normalen Frequenzbereich für das menschliche Ohr nicht hörbar. Die Konzertscheinwerfer im Konzertsaal werden passiv gekühlt. Folglich benötigen sie keine Lüftung, welche Störgeräusche verursacht. Die Lüftung ist ebenfalls ein Faktor, welcher Störgeräusche verursachen kann. Damit von aussen keine Geräusche eindringen können, führt der Eingang in den Konzertsaal über Schallschleusen, welche mit schweren Türen und so genannten Elefantenhäuten gedämpft werden. Der Konzertsaal kann im inneren als absolut still bezeichnet werden. Diese Eigenschaft ermöglicht eine Wahrnehmung der Musik in ihrer gesamten Dynamik ? vom tiefsten Pianissimo bis zum ohrenbetäubenden Fortissimo.
50 Echokammertore ermöglichen das Einstellen der Nachhallzeit.

 

Weitere Informationen

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